














Im Nachtzug durch den Salon: KulturSalon in Seelscheid mit erstem Konzert gestartet
Am Freitag, dem 25.9. war der im Mai 2026 gegründete „KulturSalon – Bühnen im Dorf “ im Wohnhaus von Uta Reifenstein und Michael Unrath zu seinem ersten Konzertabend mit dem bekannten Jazz-Gitarristen-Duo Frank Haunschild und Vitaliy Zolotov zu Gast.
Frank Haunschild, mittlerweile emeritierter Professor an der renommierten Kölner Hochschule für Musik und Tanz, brach unter der Überschrift Night train zusammen mit seinem ehemaligen Schüler Vitaliy Zolotov, Preisträger auf dem 42. Montreux Jazz Festival, mit eigenen Kompositionen zu einer musikalischen Reise durch verschiedene Stilrichtungen und Elemente des Jazz auf. Die zahlreichen Zuhörer waren begeistert von dem Zusammenspiel der beiden Jazz-Gitarristen, die im musikalischen Zwiegespräch alle Möglichkeiten eines Gitarrenduos ausschöpften.
Dabei gaben sie mit ihren E-Gitarren mächtig Gas und nahmen die begeisterten Zuhörer mit zu Begebenheiten und Orten, die Anlass für die Kompositionen gegeben hatten. Da war ein Turm in einem kleinen Dorf in der Toskana, dessen Glocken laut Inschrift solange verstummt bleiben, bis eine verhängte Todesstrafe in eine Gefängnisstrafe umgewandelt wird. Ein Glockenton, stellte Frank Haunschild bedauernd fest, war allerdings während seines gesamten Aufenthalts nicht zu vernehmen.
Vitaliy Zolotov schrieb ein Stück über ein mehrfach verliehenes Fahrrad, worauf der Eigentümer bis heute wartet. Mit Elementen des Bossa Nova erinnerten die Beiden an den legendären US-Jazzgitarristen Barney Kessel . Auch John Abercrombie, Gitarrist zwischen Modern Jazz und Fusion, war eine Komposition gewidmet. Anklänge an Reggae, Calypso-Feeling und Country-Balladen fanden sich in weiteren musikalischen Beiträgen wieder.
Eine schlicht mit „G-Punkt“ betitelte Komposition baute melodisch und folkrockig auf dem Grundton G und der entsprechenden Tonart auf.
Zwischendurch wurde „Night train“, so auch der Titel der gleichnamigen CD, entschlüsselt: Vitaly Zolotov hat ihn auf einer Zugfahrt von Köln nach Moskau sozusagen aus dem Kopf heraus komponiert. Die Zuhörer ließen sich akustisch auf eine Fahrt in ratterndem Waggon durch die frostige Nacht ins eisige Russland ein.
Kurios war die Erläuterung zu „Yebo“, in afrikanischen Sprachen variabel genutzt für positive Ausstrahlung. Das Besondere an der Komposition bestand darin, wie Frank Haunschild erläuterte, dass das Stück im 7/8–Takt geschrieben wurde; das fehlende Achtel, so augenzwinkernd Frank Haunschild, könne für eine andere Komposition „aufgehoben“ werden…
Schließlich hieß es noch „Männer unterwegs“, ein Titel zu dem Frank Haunschild ergänzte: „Es handelt sich um uns und irgendwann kommen wir auch an.“
Angekommen war bei den begeisterten Zuhörern die heitere Atmosphäre, die sich über den ganzen Abend ausbreitete, und die aus dem in lockerer Grundstimmung dargebotenen Zusammenspiel zweier hochprofessioneller Musiker entstand. Deren Jazzgitarren-Grooves, lebendiger, mitreißender und positiv vermittelnder Rhythmus, perfekt in Timing, Betonung und Dynamik, übertrug sich auf Zuhörer, die ungewollt und unwillkürlich durch Wippen mit den Füßen in den Takt der Musik einstimmten.
Klar, dass das frenetisch applaudierende Publikum das Duo nicht ohne Zugaben entließ. Auf Zuruf wurde schließlich mit „Norwegian Wood“ auch der Beatles gedacht.
Die begeisterten Besucher waren sich mit den Veranstaltern einig: das war ein furioser Auftakt auf einer Bühne im Dorf!
Und bereits die nächste Veranstaltung findet als „Experiment bei Thurn“ mit einer Performance von Marei Seuthe und Skulpturen von Siggi Stryczeck-Bormanis am 11. Oktober 2026, 17 h, auf dem ehemaligen Thurn-Gelände, Hennefer Straße 2, statt. (s. Veranstaltungen)
Wolfgang Maus


